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Kindergartenfrei Gruppe gründen

Kindergartenfrei Gruppe gründen? Wie geht das?


 

 

 

Gründung einer Kindergartenfrei-Ortsgruppe

 

 

 

Hallo!

 

Mein Name ist Magdalena, Jahrgang 87 und ich bin mit Simon seit 9 Jahren verheiratet. Unsere drei Kinder sind Mayim (6), Aaron (4) und Dora (1). Mayim hat uns als Familie in das kindergartenfreie Leben geführt, wofür ihr ihre Geschwister dankbar sein können :) Sie selbst ist zwar sehr kontaktfreudig und unternehmungslustig, im Kindergarten fühlte sie sich aber nicht wohl. Wir hatten sie mit 4 in einem tollen Waldkindergarten angemeldet - und fünf Monate später wieder abgemeldet. Mehr dazu an anderer Stelle.

 

In diesem kleinen Blog soll es in mehreren Teilen um die Gründung einer Kindergartenfrei-Ortsgruppe gehen. Ich hoffe, ihr könnt von unseren Erfahrungen profitieren!

 

 

 

 

 

Vom Traum zur Planung

 

Wenn ich von „kindergartenfrei“ schon früher gehört hätte und in unserer Nachbarschaft einige andere Kigafreie gelebt hätten, wer weiß, ob wir den Kindergarten dann überhaupt ausprobiert hätten. Wahrscheinlich ist jedoch, dass wir unsere Mayim schneller davon abgemeldet hätten, als klar wurde, dass das nichts für sie ist. Das ist wie bei vielen anderen Dingen auch, z.B. „windelfrei“ oder auch Familienbett. Das sind Konzepte, die einem sympathisch erscheinen, für die es jedoch einigen Mut zur Umsetzung braucht. Sobald im sozialen Umfeld jedoch Einige sind, die diese Konzepte leben, werden sie von der irrealen zur möglichen Option.

 

In Gesprächen erlebe ich immer wieder, dass es häufig als einzige Norm angesehen wird, dass Kinder in den Kindergarten gehen. In manchen Regionen Deutschlands scheint es auch die gängige Norm zu sein, dass Kleinkinder um den ersten Geburtstag herum in eine Betreuung gegeben werden.

 

Da diese Norm schon so fest in den Köpfen verankert ist, wird das Leben um diese scheinbare Pflicht herum organisiert. Wie oft habe ich gehört, dass Mütter wehleidig sagen, dass das „schöne Leben“ nun bald vorbei sei, wenn das Kind in den Kindergarten kommt. Wer in der Nähe eines Kindergartens wohnt oder Einblicke hinein hat, weiß auch, wieviele Tränen und verzweifelte Kinder in Kauf genommen werden, weil man sich nicht getraut, diese scheinbare Norm in Frage zu stellen.

 

Immer wieder habe ich davon geträumt, dass mehr Familien erleben können, dass in ihrer Nachbarschaft auch (ganz „normale“) Familien leben, deren Kinder zuhause betreut werden. Ich glaube, dass sie dadurch von ihrer Vorstellung der scheinbaren „Norm“, Kinder fremdbetreuen zu lassen, befreit werden können. Erst, wenn Familien positive Vorbilder anderer kindergartenfreien Familien vor Augen haben, können sie eine freie Entscheidung darüber treffen, ob sie ihre Kinder fremd- oder selbstbetreut aufwachsen lassen wollen.

 

Deshalb möchte ich den Schritt wagen und eine „Kindergartenfrei Ortsgruppe Pfinztal“ ins Leben rufen. 

 

 

 

Ausrichtung der Gruppe - was soll die Gruppe bieten, und was nicht?

 

Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich die Gruppe aufbauen soll. Während dieses Prozesses wurde mir klar, warum ich die Gruppe ins Leben rufe und was ich damit erreichen möchte.

 

Für mich gibt es drei Eckpunkte für die Gruppe:

 

  1. Bekanntmachen der Option „kindergartenfrei“. Wie ich bereits erwähnt habe ist es mir ein Anliegen „kindergartenfrei“ bekannt zu machen. Ich bin Alexandra Traxel so dankbar für ihre Arbeit, denn ihre Seite hat erheblich dazu beigetragen, dass wir heute selbstbewusst kindergartenfrei leben. Nun möchte ich etwas zurück geben: Ich wünsche mir, dass viele Andere durch die Gruppe dazu ermutigt werden, ihre Kinder selbst zu betreuen und sich dadurch einen Traum verwirklichen.

  2. Meinen zwei kindergartenfreien Kindern etwas Besonderes schaffen, wo sie das erleben, was sie am Kindergarten vermissen könnten: Schöne Ausflüge gemeinsam mit anderen Kindern! Meine große Tochter, die einige Monate einen Kindergarten besuchte, fand es toll, dass man mit dem Kindergarten verschiedene Ausflüge macht. Das war immer ein Event für sie. Auch in Bilderbüchern erfährt man, dass man im Kindergarten Kontakt zu verschiedenen Institutionen wie der Polizei erhält. Nun kann man diese Ausflüge nicht einfach privat organisieren, da der Zahnarzt vermutlich zwar einer Gruppe von Kindern seine Arbeit vorstellt, aber würde er das auch für ein einzelnes Kind tun? Ich jedenfalls fühle mich wohler, wenn ich für eine Gruppe anfrage, als wenn ich dies nur für uns tue. Unsere Gruppentreffen sind also Ausflüge, die ich organisiere. Bisher sind folgende Ausflüge geplant: Besuch beim Imker, in der Mühle, bei der Feuerwehr und bei der Polizei sowie der Besuch eines Kleinkindkonzerts. Es soll dann auch die Möglichkeit geben, sich gemeinsam irgendwo hin zu setzen, um sich auszutauschen und ggf. eine Vesperpause einzulegen.

  3. Netzwerken unter kiga-Freien ermöglichen. Heute leben wir kigafrei ganz selbstbewusst und genießen jeden Tag. Das war nicht immer so. Am Anfang kamen immer wieder Zweifel und die Frage, ob es nicht besser wäre, das Kind im Kindergarten anzumelden. Ich finde es wichtig, dass man Kontakt zu anderen Gleichgesinnten hat, um Erfahrungen auszutauschen und einander Mut zu machen. Schon die Erfahrung, nicht allein zu sein, kann hilfreich sein. Eltern brauchen den Austausch unter Gleichgesinnten, davon bin ich überzeugt!

 

 

 

Im Prozess des Nachdenkens kamen mir natürlich noch viele andere Dinge, die man mit der Gruppe erreichen könnte. Mir wurde dann aber klar, dass das für uns untergeordnete Punkte sind und ich die Gruppe nicht nach ihnen ausrichten wollte. Das sind beispielsweise:

 

  • Wöchentliche Treffen, um einen regelmäßigen Termin für die Kindern zu haben. Der Gedanke daran, wöchentlich für eine Gruppe von Eltern und deren Kinder Verantwortung zu übernehmen, machte mich immer wieder unruhig. Kindergartenfrei zu leben verschafft mir als Mutter die Zeit, unsere Vormittage stressfrei zu erleben, Erledigungen zu machen, sich mit dem Haushalt und den Kindern zu beschäftigen. Hinzu kommt, dass mein Sohn am Liebsten zuhause ist. Ich denke nicht, dass er sich darüber freuen würde, in einem fremden Raum mit anderen, vielleicht wechselnden Kindern zu spielen. Ich müsste dann schon ansprechendes Programm anbieten. Für meine eigenen Kinder kann ich gut einschätzen, was sie gerne basteln, malen und spielen. Das aber für andere vorzubereiten, dafür fehlt mir die Motivation. Ich merkte also, dass das als Ziel raus fällt.

  • Meinen eigenen Kindern Spielpartner zu organisieren. Ja, das liegt nahe! Allerdings fällt das für mich auch raus. Bei uns in der Nachbarschaft und am Ort gibt es genügend Kinder, mit denen meine Kinder nachmittags spielen können, so wie das bei den Kindergartenkindern ja auch der Fall ist. Sie kennen sie entweder, weil sie in der Nähe wohnen, oder weil wir sie aus der Gemeinde (Kirche) oder dem Kinderturnen kennen. Morgens haben bisher, also bevor meine Große in die Schule kam, die zwei Großen morgens immer miteinander gespielt. Ich hoffe, dass das Zepter nun weitergegeben wird und morgens die zwei Kleinen miteinander spielen. Spielen mit anderen Kindern findet bei uns nachmittags statt. Außerdem bin ich an Freundschaften in direkter Nachbarschaft interessiert: Ich finde es klasse, wenn Kinder zum Spielen nicht in andere Ortsteile kutschiert werden müssen. Gerade wenn man mehrere Kinder hat, ist es nicht gerade vorteilhaft, wenn man für das eine Kind alle einpacken muss, um das eine Kind irgendwohin zu fahren.

  • Natur erleben. Einige Zeit lang war ich auf der Suche nach einem schönen Platz im Wald mit Unterstand, wo die Gruppentreffen statt finden könnten. Das habe ich mir ziemlich idyllisch vorgestellt: Frei spielende Kinder, die sich, von der Natur inspiriert, im Spiel verlieren. Ich bekam  dann einen Tip für ein schönes Gelände im Wald. An einem Vormittag schaute ich es mir mit meinen Kindern an. Allerdings hat sich die „Naturromantik“ für uns nicht bewahrheitet: Die Stechmücken nervten und die Kinder begannen nicht so wirklich zu spielen. Sie kennen das nicht, dass wir in den Wald gehen. Ich musste mir eingestehen, dass das nicht zu mir passt und nicht authentisch ist. So schön die Vorstellung spieldender Kinder im Wald ist, ich bin das einfach nicht!

 

Man könnte mir zum Vorwurf machen, dass es egoistisch von mir sei, die Gruppe ganz auf unsere Bedürfnisse abzustimmen. Dann frage ich aber zurück: Wonach sollte ich sie denn sonst ausrichten? Die Motive für „kindergartenfrei“ sind ja äußerst vielfältig. Da man es eh nicht jedem Recht machen kann, habe ich bewusst beschlossen, die Gruppe so aufzubauen, dass es für uns stimmig ist und gleichzeitig möglichst viel Freiraum bietet, dass andere Familien sich wohlfühlen.

 

 

 

Anmerkung von Alexandra: Liebe Magdalena, wir sind ganz neugierig, was du uns in den nächsten Monaten noch interessantes berichten wirst….